Albumrezension A thousand suns von Linkin Park

10. September 2010 | Von Matze | Kategorie: Super 8 & Vinyl

(c) Ernst Rose/pixelio, www.pixelio.de

… Linkin Park definiert sich neu …

… und verliert seine Wurzeln. Wenn ich an Linkin Park denke, sind mir bislang sofort der beherrschende Bass, die markanten Töne der Lead-Guitar, der klare und strukturierte Rhythmus der Drums und die Harmonie aufbauende Keybord- und/ oder Turntablemusik eingefallen. Und natürlich identifiziert Linkin Park jeder durch die markante und auch recht einzigartige Stimme von Chester Bennington.

Das neue Album beinhaltet davon aber eigentlich nichts mehr. Der Bass ist größtenteils von einem Synth ersetz, die Lead-Guitar musste zugunsten ziemlich abgefahrener Klänge weichen, die ich gar nicht so ohne weiteres beschreiben kann. Neues Lieblingsinstrument der Band scheint das Klavier zu sein und insgesamt hat das Album einen sehr starken elektronischen Einschlag. Auch Chester´s Stimme wird ziemlich häufig elektronisch verfremdet. Wie schon auf der Platte Minutes to Midnight ist Mike Shinoda der zweite Gesangspart – und bei A thousand suns haben Linkin Park dieses Konzept noch stärker ausgebaut.

Der nächste Störfaktor fiel mir erst etwas später auf: Seit längerer Zeit gehört es ja zum guten Ton, dass es auf den LP´s einer Band sowas wie ein Intro und ein Outro gibt – manchmal sogar noch Fill-In´s. Das sind so kurze musikalische Einlagen, die eigentlich nicht wirklich als Song durchgehen (für mich persönlich eigentlich sowas wie musikalische Resteverwertung). A thousand suns wartet insgesamt mit 15 Tracks auf. Effektiv sind da aber nur 9 Songs drauf. Der Rest besteht aus gleich 2 (!) Intro´s, 3 Fill In´s und einem Outro, dass nicht einmal der letzte Track ist.

Was sich jetzt erst einmal schlimm anhört, war es für mich beim reinhören auch. Tatsächlich war ich sogar ziemlich geschockt. Aber während ich diesen Artikel schreibe und nebenbei A thousand suns zum zweiten Mal durchhöre ändert sich meine negative Meinung langsam und stetig.

Wie bereits mit Minutes to Midnight beschreitet Linkin Park auch hier wieder einen völlig neuen Weg. Die Tracks sind unglaublich abwechslungsreich, überaschen mit Klängen, die zumindest ich noch nie in einem Song gehört habe und wirken trotz ihrer Länge von durchschnittlich 4,5 Minuten kein bisschen langweilig. Die Melodien sind eingängig und laden zum dranhängen ein; die Beats und Rhythmen zwingen einfach zum mitgrooven.

Der Band hätte kein besserer Name für das Album einfallen können. A thousand suns – ein Titel, der schon für sich allein genommen wie nicht von dieser Welt klingt – und die melancholische, fast überirdische Weite in jedem einzelnen Track, Intro, Outro und Fill-In unterstützt das noch einmal viel mehr. Mit A thousand suns hat es Linkin Park geschafft, einen emotional aus dem Alltag in eine entfernte und scheinbar unendliche Welt der Klänge zu versetzen. Sozusagen Urlaub für die Seele.

Und plötzlich wirkt es nicht mehr schlimm, dass sich Linkin Park neu erfunden hat. Ganz im Gegenteil! Die Fill-In´s stimmen einen auf die von der Band erzählten Geschichten der kommenden Tracks emotional richtig gut ein und obwohl die einzelnen Songs so unterschiedlich sind, wie sie nur sein könnten, scheinen sie wie die einzelnen Kapitel eines Buches zusammen zu gehören und mehr als nur die Summe aller Teile zu sein.

Alles in allem ist A thousand suns einfach nur genial – und bekommt von mir die volle Punktzahl (10).

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2 Kommentare auf "Albumrezension A thousand suns von Linkin Park"

  1. alice hive sagt:

    Absolute Zustimmung! Ging mir beim reinhören sehr ähnlich. Das Besondere bei diesem Album ist auf jeden Fall, dass es eine Art Gesamtpaket ist. Die einzelnen Songs hören sich nie besser an, als wenn man sie im Kontext der anderen Songs abspielt. Mir kommt das Album fast mehr wie ein Soundtrack oder ein Film vor, als wie ein normales Album….

  2. Badegast sagt:

    Über Musik zu schreiben liegt Dir!!!!!

    Bitte mehr davon!
    Auch über Videospielreszensionen aus deiner Feder würde ich mich freuen. (Da könnte ich dann auch mal fundiert meinen Senf dazugeben ;-)

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