Finanztransaktions-Steuer

19. Mai 2010 | Von Matze | Kategorie: Aha-Effekt

(c) derateru/pixelio, www.pixelio.de

… Beruhigung hochschlagender Spekulationswellen auf dem Finanzmarkt? …

In den letzten Tagen ist sie in aller Munde: Die Finanztransaktionssteuer. Über den Sinn oder Unsinn einer Einführung wird zurzeit heftig diskutiert. Einigen stößt die Steuer bitter auf. Anderen schmeckt der Gedanke daran zuckersüß. Aber was genau ist eigentlich die Finanztransaktionssteuer (außer einem Zugenbrecher)?

Zunächsteinmal ist sie keine Erfindung der Finanzkrise. Schon 1972 hat ein Wirtschaftswissenschaftler diese Steuer vorgeschlagen. Und auch heutzutage wird für diese Steuer mit der Aktion “Steuer gegen Armut” geworben. Sinn der Steuer: Sie soll die hochschlagenden Spekulationswellen auf dem Finanzmarkt beruhigen. Alles klar? Wenn ihr jetzt guckt wie ´ne Bratpfanne, dann geht´s euch noch immer besser als mir, als ich mich das erste Mal mit dem Thema beschäftigt habe. Denn so eine tolle Erklärung hatte ich nicht. Alles, was ich bekam war das: Ja- äh… Das ist eine Steuer auf internationale Devisengeschäfte.

Danke – jetzt ist mir alles klar…

Also hab ich mich mal rangesetzt und das Wort Devisengeschäfte nachgeschlagen: Mal platt ausgedrückt ist das wie der An- und Verkauf von Aktien. Allerdings geht es hier immer nur um ausländische Zahlungsmittel, die nicht Bargeld sind. Dank der Börse kann ich also mit dem Kauf von Geld Geld machen. Tolle Sache. Und weil die lieben Börsenmakler nunmal beruflich den ganzen Tag überlegen müssen, wie sie ihr Geld vermehren können ohne einem männlichen und einem weiblichen Schein das erste Rendevouz zu finanzieren, werden ziemlich viele Spekulationen und Transaktionen durchgeführt. Und genau das soll durch die Finanztransaktionssteuer besteuert werden. Der Erfinder erhofft sich dadurch, dass nicht mehr so viele Transaktionen durchgeführt werden, die dann aber überlegter und ohne utopische Beträge zu verspekulieren.

Warum ist das für die Politik so interessant? Zum Einen, weil die Wirtschaftskraft eines Landes am Verhältnis  Einnahme/ Ausgabe von Devisen gemessen wird. Zum Anderen, weil die Staatsrücklagen zu einem großen Teil aus Devisen bestehen. Und es ist natürlich schon blöd, wenn die aufgrund schlechter Spekulationen auf einmal nur noch gerade dazu ausreichen, ´ne Packung Kaugummi zu kaufen.

Und was will die Kampagne “Steuer gegen Armut” jetze damit? Nun ja. Unser findiger Wirtschaftswissenschaftler hatte schon 1972 ermittelt, dass die Finanztransaktionssteuer nicht zu hoch liegen darf (sonst würde gar  kein oder nur noch ein unzureichender Handel entstehen), aber auch nicht zu gering angesetzt werden sollte (keine Wirkungsentfaltung der Steuer). Prozentual ausgedrückt: 0,01 bis 0,5. Für die einzelne Transaktion stellt das somit keinen nennenswerten Verlust dar. Insgesamt sollen so aber um die 50 Milliarden Euro je Kalenderjahr an Steuereinnahmen in die Haushaltskassen gelangen. Summa summarum würden diese 50 Milliarden Euro dann aber auch im Wirtschaftskreislauf fehlen, oder? Und in wie weit eine Zweckbindung von Steuern möglich ist, weiß ich auch nicht.

Also ehrlich gesagt: Ob die Finanztransaktionssteuer tatsächlich ein Instrument zum Steuern ist, oder lediglich eine Einnahmequelle darstellt, wird sich wohl erst zeigen, wenn sie tatsächlich eingeführt werden sollte.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit – die Unterrichtsstunde ist vorbei.

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