Gamerezension Too Human von Silicon Knights

12. November 2010 | Von Matze | Kategorie: Games

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… Neuinterpretation nordischer Mythologie …

Odin, Midgard, die Nornen. Ganz klar – wir befinden uns in der nordischen Mythologie. Genauer gesagt bei dem Göttergeschlecht der Asen. Und hier setzt auch das Sci-Fi RPG Game Too Human an:

Midgard – die Totentransporte nach Helheim haben aufgehört. Verstorbene werden nicht mehr aus der Stadt gebracht. Kobolde und Trolle dringen immer häufiger nach Midgard selbst ein und töten Menschen. Die Asen leben zurückgezogen in Asgard und kümmern sich nicht mehr um die Bewohner des letzten Zufluchtsortes der Menschheit. Einzig Lord Baldur, der Jüngste der Asen, scheint den Kontakt zum Volk noch nicht verloren zu haben.

Soviel zum Vorwort. Jetzt zum, meiner Meinung nach, wirklich faszinierenden Teil der Story: Wie bekommt die nordische Mythologie rund um Odin und Midgard denn nun den Sci-Fi-Anstrich, den Too Human verspricht? Ganz einfach: Der Mythos stimmt. Asgard, Midgard, die Nornen, Odin, Thor und all die anderen Götter gab es wirklich. Allerdings waren es keine Götter. Die erste Evolutionsstufe der Menschen hat das getan, was auch wir noch heute tun: Krieg führen. Da die damals aber schon sehr weit fortgeschritten waren, haben sie Maschinen entworfen, die sich für sie bekriegen sollten. Aber etwas lief schief. Die Effizienz der Maschinen war zu hoch, sodass die Menschheit fast ausgelöscht wurde. In einem letzten verzweifelten Versuch, die Maschinen zu besiegen, setzten sie Waffen ein, die die Welt zu einer einzigen Eiswüste gefrieren ließen. Aber auch das konnte die Maschinen nicht aufhalten. Und so entwickelte das große Rüstungsunternehmen, die Aesier-Corp., ODIN (Organically Distributed Intelligence Network) und schuf dann Midgard – den letzten Zufluchtsort der Menschheit. Um die Maschinen (Modelle wie Trolle, Kobolde und Schwarzalben) zu bekämpfen, hatte die Aesir-Corp. die Asen erschaffen (Menschen, die mit kybernetischen Implantaten aufgewertet worden waren) und die Nornen (Non-Organic Rational Nanosystems) als Hüter des Cyberspace kreiert.  Und weil das schon alles solange her ist, haben die Menschen aus den Asen Götter, aus den Nornen Feen und aus den Kobolden und Trollen Dämonen gemacht.

So – jetzt aber genug von der Story! Ab zum aktiven Teil des Games:

Too Human ist eine Mischung aus einem Third-Person Shooter und einem Action-Abenteuer Rollenspiel. Du schlüpfst in die Rolle von Lord Baldur, der nach einer schweren Verwundung gerade erst wieder zu Kräften kommt und versucht, sein Kurzzeitgedächtnis wiederzufinden. Und das macht er, in dem er sich durch Massen von Maschinen prügelt.

Zu Beginn von Too Human erstellst Du dir einen Charakter und suchst dann aus 5 verschiedenen Asen-Kasten deinen Helden aus. Da gibt es den Berserker (mein favourite), der mit zwei Schwertern ohne Rücksicht auf Verluste vorprescht und alles niedermetzelt, was sich ihm in den Weg stellt. Zwar bist Du als Berserker schnell, hast aber keine wesentlich gute Rüstung. Dann gibt es den Defender, der sich nicht sehr schnell bewegen kann und auch nicht die größte Durchschlagskraft hat, dafür aber einen mordsmäßig dicken Panzer an den Rippen trägt. Dann steht noch der Commander zur Wahl, der zwar taktische Waffen mit viel Wumms nutzt, dafür aber eher im Hintergrund agiert und seinen Truppen den offenen Kampf überlässt (hört sich ziemlich langweilig an – habe ich aber noch nicht ausprobiert). Dann gibt es den Bio-Ingenieur, der sich selbst und seine Leute heilen kann (über Angriff und Abwehr werden keine Aussagen getroffen – also hab ich das auch noch nicht ausprobiert). Und sozusagen als Allrounder gibt es den Krieger, der optisch am besten aussieht und die ausgeglichensten Fähigkeiten im Angriff und der Verteidigung besitzt. Allerdings ist der Krieger nicht so schnell wie der Berserker und auch, wenn er mehr einstecken kann – ab dem zweiten Level gibt es so viele Trolle, Kobolde und vor allem Dunkelalben, dass ich als Krieger der Sache nicht mehr Herr geworden bin.

Und? Eine Kaste ausgesucht? Gut. Dann bist Du jetzt also Baldur, der erinnerungslose Berserker – und gerade mächtig am Rummetzeln (wegen der vielen vielen vielen vielen, sehr sehr vielen, ober-unter-ammergaumäßig vielen Maschinen läuft´s tatsächlich auf´s Metzeln hinaus). Als Waffen stehen Dir gleich von Anfang an 2 Schwerter und 2 Pistolen zur Verfügung. Hört sich gut an, sieht auch gut aus, allerdings ist die Steuerung äußerst scheiße. Denn anders als bei allen anderen First-Person oder Third-Person-Spielen steuerst Du hier nicht mit RS die Kamera, sondern die Schwerter. Und wenn Du dich jetzt fragst: „Wie steuere ich denn dann die Kamera?“, sage ich: Das hab ich mich auch gefragt. Und nach laaaanger Recherche kann ich jetzt sagen – ganz einfach: Gar nicht. Das macht das Spiel schon für Dich… Ja genau… Also die Level sind echt schick anzusehen, aber Du kannst nicht wirklich etwas näher betrachten, weil Dir die Kameraperspektive vorgegeben wird. Die RS-Belegung ist aber erst recht scheiße, wenn Du ganz zum Anfang von Too Human versuchst, durch die Levelarchitektur zu kommen. Da fuchtelst Du etwa 80% der Zeit mit den Schwertern rum, statt dich in die gewollte Richtung zu bewegen. Und auch bei doch recht fordernden Kämpfen vergisst Du zunächst, RS zu bemühen, und drückst wie blöde auf „B“, „X“ oder „A“. Aber damit schlägst oder schießt Du halt nicht.

Irgendwann hast Du es dann doch drauf, findest die verschiedenen Moves und Combos raus und sammelst durch das Zerstören von Maschinen ordentlich Entwürfe und Boni, um Dir neue und deutlich bessere Waffen und Rüstungen zu entwerfen. Du hast also gerade echt gute Laune, sprengst durch die Horden an Maschinen und… schon wird’s wieder nervig: Die nächste Horde kommt auf Dich zugerannt und direkt vor Dir befindet sich eine kniehohe Mauer (warum auch immer – hat da eigentlich keinen weiteren Sinn, außer Dir den Weg zu versperren). Jetzt kannst Du hoch genug springen, um da rüber zu kommen (warum also außen rum?). Du springst – und… Du kommst nicht rüber. Und das ist immer so! Wege abkürzen is hier nicht – hinter Hindernissen in Deckung gehen und dann mit einer Sprungattacke den Gegner ausschalten ebenso wenig. Das neutralisiert einen richtig großen Teil des Spielspaßes und vor allem auch des flüssigen Spielverlaufs.

Die zwischengelagerten interaktiven Filmsequenzen sind an und für sich gut, denn Du kannst dir selber aussuchen, ob Du die Informationen haben willst oder nicht. Aber was in aller Welt haben sich die Programmierer bloß dabei gedacht, den guten Baldur nach ein paar Sekunden ohne Bewegung irgendwelche nicht zu beschreibenden und unheimlich weltfremden automatischen Bewegungen ausführen zu lassen? Das sieht vor allem bescheuert aus, wenn er sich gerade mir Freya über seine verstorbene Frau unterhält und mittendrin irgendwelche Stretchübungen abhält (Daumen hoch, liebe Programmierer).

Mein Fazit: Die Story ist echt toll, die Grafik nicht zu beanstanden (hätte aber doch ein wenig besser sein können) und wenn es mal läuft, macht Too Human echt viel Spaß. Nervig dagegen ist die fehlende Kamerasteuerung, die – meiner Meinung nach – zu ungenaue Steuerung der Waffen, die nicht vollkommen frei begehbare Szenerie und natürlich Baldur´s merkwürdige Einlagen. Alles in allem ist Too Human ein solides Game und bekommt von mir 6 von 10 Punkten.

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