Jeder spielt (s)eine Rolle

23. September 2010 | Von Matze | Kategorie: Der gelbe Bus

(c) Cornerstone Tochter/pixelio, www.pixelio.de

… Wer versteckt sich hinter der Maske? …

Okay – die Formulierung der Headline ist nicht gleichtstellungsgerecht, sorry. Aber sonst hätte das schöne Wortspiel nicht funktioniert. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das.

Vor kurzem habe ich mit einem Freund über einen anstehenden Kinostart, eine bald stattfindende Party und nachzuholende Bierchenabende gesprochen. Irgendwie sind wir dann dazu gekommen, dass mit mir nicht gut über andere Leute lästern is , weil ich die “Geschädigten” sofort in Schutz nehme. Das war mir selbst bis dahin noch nicht aufgefallen und es überraschte/ beeindruckte mich  zutiefst – erst recht deshalb, weil mir gerade einen Tag vorher ein Arbeitskollege das genaue Gegenteil bescheinigt hatte.

Wozu poste ich diese kleine Geschichte? Sicherlich nicht, um mich selbst zu beweihräuchern – zumal ich das Kraut gar nicht so toll finde (beweihmürren gibt es ja nun mal nich) ;-) .  Mit der kleinen Anekdote aus meinem Leben will ich nur verdeutlichen, dass jeder (s)eine Rolle spielt.

Aber warum ist das so?

Das Warum ist eigentlich einfach zu beantworten und trotzdem könnte ich darüber ganze Abhandlungen schreiben (wenn ihr also irgendwann mal ein Buch mit netten Illustrationen im Fachgeschäft um die Ecke mit meinem Namen drauf seht, dann kauft recht großzügig – danke!). Wir alle spielen Rollen, weil wir uns selbst schützen wollen.  Das bedeutet: eine Maske aufsetzen, sich verstellen oder aber gewisse Bereiche der Persönlichkeit aus- oder aber überblenden. Das alles passiert mit dem schlichten Ziel, sich nicht angreifbar oder verletzbar zu machen. Die Begriffe “Trittbrettfahrer” oder “Nachmacher” bezeichnen letztlich doch auch nur eine Person, die sich nicht traut, aus der Masse hervorzustechen aus Angst, verletzt zu werden. Insofern treffen die Begriffe in gewissem Maße doch auf alle Menschen zu. Andere werden schnell als Exzentriker abgestempelt.

Tja: Unsere Vorfahren aus der Höhle haben damals versucht, sich gegen die wilden Tiere und das Wetter zu schützen.  Diesen Trieb haben wir heute immer noch. Aber da es in den Städten keine Löwen, Tiger oder keine Ahnung was für fiese Biester mehr gibt, hat sich unser Schutzinstinkt halt mit der Gefühlswelt “begnügt”.

Letztlich kann aber auch keiner die Schuld beim Nächsten suchen. Mal Hand aufs Herz: Wären wir denn überhaupt bereit, unsere Mitmenschen bis ins Detail mit allen positiven, negativen, widersprüchlichen, humorvollen, ernsten, träumerischen und rationellen Eigenschaften kennen, akzeptieren und respektieren zu lernen? Würden wir uns wirklich die Zeit dazu nehmen? Hätten wir dazu überhaupt die Zeit? Sind wir nicht selber schon kompliziert genug (wozu gibt es denn sonst die ganzen Selbstfindungshilfen)?

Und so spielt Jede und Jeder eine Rolle, die deren oder dessen wahren Charakter zwar nicht vollständig verdeckt , ihn aber nur in Teilen durchblicken lässt – stark vereinfacht – damit die Mitmenschen nicht ersteinmal ein abgeschlossenes Psychodingsda-Studium nachweisen müssen, um einen zu verstehen. Letztlich reduziert man sich je nach Art des Umfeldes, in dem man sich gerade befindet, auf die in der aktuellen Situation vorteilhaft erscheindenden Eigenschaften seines Charakters. Dadurch lebt und überlebt unsere Gesellschaft. Unterbewusst weiß sie es und setzt genau das auch voraus.

Das ist nichts schlimmes – das ist einfach nur die menschliche Gesellschaftsform von heutzutage.

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