Neue Sprache zur WM entdeckt

8. Juni 2010 | Von Matze | Kategorie: Bunte Kiste

(c) Cisco Ripac/pixelio, www.pixelio.de

… Sie ist unter uns …

Passend zur kurz bevorstehenden WM hat die Süddeutsche Zeitung jetzt eine Sprache entdeckt, die keiner Worte bedarf, im Fernsehen zu sehen ist und nur von wenigen Menschen genutzt wird. Gut: Eigentlich ist sie nicht alltagstauglich… und eigentlich auch keine Sprache… Aber trotzdem übersetzt die SZ dem geneigten Leser beispiellos beispielhaft, was diese “Sprache” bedeutet und wo sie ihre Ursprünge hat.

Normaler Weise versucht man ja, Texte oder Schriftzeichen zu übersetzen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat (ja ja – der gute alte Enterpriseslogan ist doch immer wieder zu irgendwas gut). Aber hier ist das anders. Bei unserer noch recht jungen “Sprache” handelt es sich weder um geschriebene Zeichen, Hyroglyphen oder die Zutatenliste vom BigMäc. Es geht um die Jubelsprache des world wide Fußball.

Da wird zum Beispiel erklärt, dass der erhobene Zeigefinger nach einem erzielten Tor bedeutet, dass der Torschütze sowohl Publikum, Mitspieler als auch Trainer “zugunsten des stummen Dialogs mit höheren Mächten” ausblendet, “das Tor zur Opfergabe” und “das Stadion zum Altar” macht. Junge junge! Ob der Torschütze das auch weiß? Kann man ja nur hoffen, dass der nicht Mitglied beim Deutschen Atteisten Bund war – äh – ist… Also ich hab immer gedacht, Zeigefinger hoch bedeutet: Moaaaaaa – Guckt mal, was ich ganz alleine gemacht hab! Ich hab dem deppterten Keeper das Ding voll reingepfeffert, ey! Vielleicht will der aber auch einfach nur schauen, aus welcher Richtung der Wind gerade kommt oder sich melden, damit der Trainer ja nicht die Torprämie vergisst oder dem falschen auszahlt. Vielleicht wirken jetzt aber auch erst die Pillen, die er eingeworfen hat und er denkt sich bloß: Woaa – die Farben – und mein Finger – der durchschneidet die Luft, die schon seit Anbeginn der Zeit auf diesem kleinen unscheinbaren Planeten ruht und sich vom Wind treiben lässt, jeden Tag verbraucht und erneuert wird und eigentlich ewig ist und doch wieder nicht (okay – es waren schon extrem krasse Pillen, die der da genommen hat).

Insgesamt hat die SZ 15 solcher Schoten gerissen.Keine Angst: Ich zieh´ jetzt nicht über jede einzelne her. Aber eine will ich doch noch zum krönenden Abschluss bringen:

Nach dem Torschuss legt sich der Glückspilz die Hand ans Ohr. So, was wird hier wohl draus interpretiert? Ganz einfach: Er “fordert den akustischen Tribut der Fans ein” (Jepp – soweit kann ich der Sache noch zustimmen. Dumm nur, dass man sowas eigentlich nicht übersetzen müsste). Aber es geht ja noch weiter: Das Ohr wird in einen Trichter verwandelt, der den Torjubel der Fans einsammelt, bündelt und als kräftigende Substanz ins Innere des Torschützen einführt. Alles klar? Sind wir jetzt bei Elfen und Zauberfeen? Oder bei Asterix und seinem Zaubertrank? Der hat sich auch eine kräftigende Substanz eingeführt (bitte jetzt nicht zweideutig denken – das sprengt sonst den Rahmen). Vielleicht trifft das ja auf die NFK zu (Nationale Fußballliga der Kobolde). Aber doch sicher nicht auf den Torschützen mit der Nummer 0 8 15. Der wird das wohl einfach machen, weil er damit sagen will: Woaaaaa – habtsas gsehn? Den hab ich voll korrekt ins tighte Tor gewemmst. Aber vielleicht hat er ja auch das Tor mit dem Kopf erzielt, rennt hilfesuchend umher und will mit dieser Geste einfach nur anzeigen: Hilfe – ich hab Tinitus.

Wie auch immer. Eine eigene Fußballsprache zur WM ist natürlich schon ganz gut. Ich hoffe nur, dass das Wörterbuch “Deutsch/Fußball – Fußball/Deutsch” bald rauskommt. Sonst verstehe ich nicht, was mir Özil so alles tiefsinniges klar machen will, wenn er ein Tor geschossen hat – vielleicht ist es ja sogar die Vergestigung von Hamlet – sozusagen eine Welturaufführung. Und das muss ich doch schließlich verstehen können!

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