Filmkritik Robin Hood

9. Juni 2010 | Von Matze | Kategorie: Super 8 & Vinyl

(c) vivito/pixelio, www.pixelio.de

… mal ganz anders …

Robin Hood: Was denkt man, wenn man diesen Namen hört? Die meisten, die ich gefragt habe, sagen: Uäää – Kevin Costner und schütteln sich. Okay, kann ich verstehen. Der Film ist auch nicht unbedingt mein favourite. Aber wenn man sich mal Robin´s Charakter vor Augen führt, dann ist er immer der arme Adlige, der von den Kreuzzügen zurückkommt, und gegen Prinz John und den bösen Sheriff von Nottingham kämpft, weil die ihm und seiner Familie Unrecht angetan haben. Dann gibt´s das Bogenschützenturnier, den großen Kampf und ganz zum Schluss kommt der Löwenherz daher geritten und schlägt den Robin zum Ritter. Ja genau: Und deshalb habe ich vom neuen Hood-Film nicht wirklich viel erwartet (eigentlich gar nichts).

Und was hat das alles jetzt mit dem neuesten Streifen über diese Legende zu tun? Ganz einfach: Gar nichts! Ja – Tatsache: Vergiss den alten Robin Hood total. Im jetzt aktuellen Streifen geht Löwenherz ganz zum Anfang des Films schon drauf. Und Robin Hood heißt Robin Longstride – seines Zeichens einfacher Bogenschütze. Achso – und natürlich hatta Amnesie und kann sich an seine Wurzeln nicht erinnern. Eher durch Zufall nimmt er dann die Identität von Sir Robert Lockslay an – und nebenbei auch noch seine Frau. Mehr wird nicht hier verraten.

Im Großen und Ganzen ist die Story zwar schnell durchschaut, aber trotzdem sehr spannend und witzig erzählt. Die ganze Handlungskulisse spielt nicht in einem sterilen Wald mit gut ausgebauten Wegen und schicken großen Städten. Hier wirkt alles ursprünglicher , etwas dreckiger. Den ganzen Film über hat man nicht einmal das Gefühl, dass hier Schauspieler vor einer Kulisse stehen. Erfrischend ist auch, dass es keinen typischen schillernden Helden gibt. Selbst Robin Hood ist eigentlich ein ganz schön mieser Kerl. Der typische Pomp um die Krone wird hier nicht stilisiert dargestellt, sondern sehr realitätsnah und Sir John ist auch nicht das Muttersöhnchen, das man vom alten Streifen gewohnt ist. Auch der kann im Kampf ganz gut austeilen.

Der gesamte Film lebt neben dem wirklich guten Humor und der genialen Situationskomik  von der sehr guten schauspielerischen Leistung, dem kompromislos umgesetzten Realismus und natürlich auch von der Story. Gerade weil sie so anders ist, kann man sich bequem zurücklehnen, nach Parallelen und Anknüpfpunkten zur bekannten Geschichte suchen und sich einfach mal überraschen oder vom Film mitreißen lassen.

Abzüge gibt es eigentlich nur für die letzte große Kampfszene. Da wird die Kamera gedreht und geruckelt und hin und her geschwenkt was das Zeug hält. Manchmal habe ich überlegt, ob die einem Barkeeper die Kamera in die Hand gedrückt haben. Eigentlich wollte ich da mit den liebevoll während des Films aufgebauten Charakteren mitfiebern. Aber leider sieht man bei dieser Kameraführung nicht viel mehr als ´n paar Typen, die mit irgendwas in der Hand oder im Bauch, Bein, Rücken, Hals oder Kopf durch die Gegend rennen, fallen oder liegen.

Absolut überraschender Weise war Robin Hood tatsächlich ein richtiges Highlight. Mein abschließendes Fazit: Wer genug vom alten Kevin Costner hat, muss unbedingt den Russel Crowe als Robin Hood erleben. Absoluter Genialitätsfaktor! Ich gebe dem Film 9,5 von 10 “Hui”-Punkten.

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